Wenn das große Wasser kommt
Die Zahl der extremen Unwetter nimmt zu. Auch in Gegenden, die sich nicht in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten befinden, steigt die Gefahr eines sommerlichen Hochwassers. Wie Hausbesitzer sich schützen können.
Poxdorf, 21. Juli 2007: Der Himmel öffnet sich. Sintflutartige Wassermassen fallen auf das bayerische Dorf. Innerhalb von nur sechs Stunden ergießen sich über die 1.500-Seelen-Gemeinde am Rande der Fränkischen Schweiz 160 Liter Regen pro Quadratmeter – doppelt so viel wie sonst im ganzen Monat. Die Folge: In und um Poxdorf stehen über tausend Häuser unter Wasser. Längst sind nicht mehr nur Hochwassergebiete betroffen. Das fränkische Dorf liegt zwei Kilometer vom Überschwemmungsgebiet der Regnitz entfernt. Poxdorf galt bis dahin nicht als hochwassergefährdet.Der Starkregen ist überall
Poxdorf ist nur einer von vielen Orten, die unerwartet von den Wassermassen heimgesucht wurden. Starkregen kann auch fernab von Flüssen und Bächen Überschwemmungen verursachen. „Die Intensität von Starkregen hat in Bayern in den vergangenen 75 Jahren regional um bis zu 40 Prozent zugenommen“, berichtet etwa die Bayerische Staatsregierung. Mittlerweile ist Starkregen die Ursache für etwa die Hälfte aller Hochwasserschäden. Hinzu kommt das Wasser von unten: Die Kanalisation kann den Wassermassen eines Starkregens nicht mehr Herr werden und der Rückstau lässt – ungeachtet der regionalen Lage – Keller und Wohnungen volllaufen.
In Bayern zum Beispiel sind heute 98 Prozent der Wohngebäude gegen sogenannte erweiterte Elementarschäden, darunter auch Starkregen, Überschwemmung und Hochwasser, versicherbar. Nur etwa fünf Prozent der Besitzer haben jedoch entsprechende Verträge abgeschlossen. Um diese Sicherheitslücke zu schließen, empfiehlt Stefan Köhlbach, ein Experte der AachenMünchener: „Hausbesitzer sollten unbedingt ihre Wohngebäude- und auch die Hausratversicherung überprüfen und gegebenenfalls nachrüsten.“ Denn das Beispiel Poxdorf zeigt, wie wichtig es geworden ist, vorausschauend zu denken und sich gegen unheilvolle Wassermassen abzusichern.
Checkliste für den Ernstfall
Wie Sie Ihr Hab und Gut schützen:
- Bauen Sie in Ihr Haus eine Rückstausicherung ein. So verhindern Sie, dass Wasser aus einer überlasteten Kanalisation in Ihren Keller aufsteigt und diesen überflutet.
- In hochwassergefährdeten Gebieten sollten Sie elektrische Versorgungseinrichtungen und Heizungsanlagen in höher gelegenen Etagen installieren lassen.
- Bauen Sie in außenliegenden Regenfallrohren ein Ventil ein. Bei starkem Regen können Sie dieses öffnen, das Wasser fließt so nach außen ab und verstärkt nicht den Wasserdruck innerhalb der hausnahen Kanalisation.
- Wassermassen können Ihren Öltank beschädigen, sodass ein Leck entsteht und Öl austritt. Verhindern Sie das Eindringen von Wasser etwa in Befüllöffnungen oder schützen Sie Ihren Tank vor Beschädigung durch Treibgut und Wasserdruck.
- Bewahren Sie Wertgegenstände und Dokumente, zum Beispiel Ihre Geburtsurkunde und Versicherungsunterlagen, an einem sicheren Ort auf.
- Dichten Sie Türen und Fenster in gefährdeten Räumen sowie Lichtschächte und Abflussöffnungen ab.
- Schalten Sie elektrische Geräte in vom Wasser bedrohten Räumen ab.
- Räumen Sie gefährdete Räume so weit wie möglich frei.
- Halten Sie den Schaden beispielsweise durch Abpumpen des Wassers, Reinigung und Trocknung von Einrichtung und Gebäude so gering wie möglich.
- Überprüfen Sie elektrische Geräte und Anlagen vor erneuter Inbetriebnahme.
- Markieren Sie den erreichten Höchststand des Wassers und fotografieren Sie die entstandenen Schäden.
- Melden Sie den entstandenen Schaden unverzüglich Ihrer Versicherung.
- Entsorgen Sie keine zerstörten oder beschädigten Gegenstände ohne Rücksprache mit Ihrem Versicherer, da diese gegebenenfalls von einem Gutachter gesichtet werden müssen.

